The 2RC Gravel Experience 2018 #2rcformatc

The 2RC Gravel Experience 2018 #2rcformatc

01.11.18 01:18 56Text: Luke BiketalkerFotos: Michael MeindlDurch die Tiefen des Waldviertels zu unseren nördlichen Nachbarn: Die 2rc auf Gravel-Erkundungstour01.11.18 01:18 56

The 2RC Gravel Experience 2018 #2rcformatc

01.11.18 01:18 56 Luke Biketalker Michael MeindlDurch die Tiefen des Waldviertels zu unseren nördlichen Nachbarn: Die 2rc auf Gravel-Erkundungstour01.11.18 01:18 55

Hätte die katholische Kirche das Ende ihrer scheibenhaft anmutenden Welt mit einer Linie unterstreichen wollen, der dicke Strich des Tellerrandes hätte sich wohl wie eine Furche durchs Hinterland von Horn gezogen. Ist das Waldviertel schon in NoPains Wahlheimat Schönberg am Kamp nicht gerade überbevölkert, so beginnt am Weg gen Norden spätestens ab Horn das apodiktische Niemandsland. Unwirtlich, reizlos und bedrückend für infrastrukturverliebte Pantoffelhelden - aber dennoch stollenbereiften Rennrädern und deren abenteuerlustigen Besitzern ein wahres Paradies. Einsamer Asphalt, als Landesstraße getarnte Schotterpisten und verlorene Waldwege soweit das Auge blickt - was dem Waldviertler Rennradfahrer seit jeher in die Wiege gelegt, lockt im Sog des Gravel-Trends auch Fremde auf Erkundungstour in das vielfältige Landschaftsmosaik aus Wäldern, Äckern, Wiesen, Streuobsthainen, Weiden und Teichen zwischen Zwettl und dem ehemaligen Eisernen Vorhang. Höchste Zeit also, die Lage im Gebiet hoch zur tschechischen Grenze im Rahmen einer gemeinsamen Ausfahrt zu sondieren.

„Unser 2-tägiger Gravelride startet kommenden Freitag, 26.10.2018 in Schönberg. Von dort arbeiten wir uns mit Gravel- bzw. MTBs (wenn's denn wirklich sein muss) bei beschissenem Herbstwetter durch das Waldviertel nach Slavonice/Tschechien durch. Nach einem schlechten Abendessen, anschließenden Alkoholexzessen, langweiligen Geschichten, einer schrecklichen Nacht auf viel zu harten Matratzen und dem grauslichen Frühstück setzen wir unsere traurige Reise entlang des "Iron Curtain" zurück nach Schönberg fort.“

An sich keine recht vielversprechende Einladung, die der Chef der Chaoten in den Raum stellte, ohne weitere Informationen auszuplaudern. Dass sich dennoch 28 Damen und Herren auf mehr oder minder würdigen fahrbaren Untersätzen dazu bereit erklärten, den Haftungsausschluss zu unterzeichnen und unbedarft den Sprung in die Fänge der #2rcformatc Gravel Experience zu wagen…nun ja, man darf sich denken, was man möchte.

Etappe #1: Schönberg am Kamp - Slavonice

28 Helden im Sattel also, dazu ein hinters Lenkrad des Begleitautos degradierter Redakteur zur Versorgung mit dem Nötigsten und ein Fotograf, um die Mühen des Waldviertels zu dokumentieren. So brach das gar nicht so kleine Gravel-Grüppchen schlussendlich planmäßig verspätet und mit viel zu vielen Taschen im Laderaum nach Slavonice auf. Rund 80 Kilometer, je nach vorgefundenen Streckenbedingungen etwas mehr oder weniger, mit um die 1.300 Höhenmetern bei heiterem bis wolkigem Wetter sollten es laut zuversichtlichem Streckenchef, keinem geringeren als Bikeboards Premium-Redakteur Reinhard Hörmann, werden. Erst entlang des wild durch die Landschaft mäandrierenden Kamp - dessen Name leitet sich nicht ganz zu Unrecht vom keltischen Adjektiv „kamb“, was so viel wie „krumm“ bedeutet, ab - bis Gars am Kamp und vom einst so noblen Luftkurort strikt weiter nördlich ins Horner Becken. In bester Chaotenmanier ließ der erste Patschen zwar nicht lange auf sich warten - doch in Ermangelung einsam am Straßenrand zurückgelassener Unglücksraben zeigte sich dann doch erstmals eine gewisse gesetzte Reife im Alter der einst berüchtigten Equipe.

Ab Horn begann sodann die bereits gepriesene Einsamkeit. Wellig über Wiesen, durch gottverlassene Dörfer und entlang vergessener Nebensträßchen in die Wälder. Auch wenn sich vieles hier wiederholt - wirklich langweilig wird es nie. Schon gar nicht dann, wenn die im Auto gebunkerten Nahrungsreserven alle 20 Kilometer aus dem Kofferraum hervorquellen und die versammelte Mannschaft zur Kaffee-, Kuchen- und Hummus-Pause nötigen. Pürierte Kichererbsen statt Bier an der Labe? Wir erwähnten ja bereits etwas von einer gewissen Reife...

Mitten im Wald, entlang einer ausgewaschenen Forststraße, die auf Karten gerne als Landesstraße für Verwirrung sorgt, überschreitet die Truppe schließlich bei nahezu wolkenlosem Himmel die Staatsgrenze. Wirklich tief dringt die Tour nicht in tschechische Gefilde vor. Bereits wenige hundert Meter nach dem Grenzübertritt und eingerahmt von bunt verzierten Bunkern ist Slavonice schneller erreicht, als manch noch zu frische Beine glauben möchten.

Kaum in Slavonice, zu Deutsch Zlabings, angekommen, fühlt man sich in der Zeit zurückversetzt. Mittelalterliche Gassen, gepflasterte Straßen und ein Marktplatz von historischer Bedeutung prägen das Bild im Zentrum. Prunkstück sind die Hausfassaden aus Zeiten der Gotik und Renaissance mit ihren ornamentalen, teils figuralen Sgrafitti. Lange Jahre verbargen sie sich unter dem Verputz, wurden erst ab den 50er Jahren nach und nach freigelegt und bis heute restauriert. Außergewöhnlich sind auch die Diamantgewölbe der bürgerlichen Häuser und die alles überragende Kirche Mariä Himmelfahrt, deren Turm man zum Spottpreis erklimmen und damit einen atemberaubenden Ausblick über den Marktplatz, das Zentrum und das vom herbstlichen Nebel umwobene Hügelland im Umfeld erlangen kann. Wer mit derart präsenter, bis ins 12. Jahrhundert zurückreichender Geschichte wenig anzufangen weiß, dem bleibt immer noch der Griff zum tschechischen Bier. Dessen floss zwar während des gemeinsamen Abendessens reichlich, doch versiegte der kühle blonde Strom überraschend früh - die Furcht vor dem Ungewissen des kommenden Tages, vielleicht auch nur einmal mehr die seit den ungestümen Tagen ins Land gezogenen Jahre trieben die Gefährten weit vor Mitternacht in die wie versprochen harten Betten.

Etappe #2: Slavonice - Schönberg am Kamp

Tags darauf trommelte der Regen bereits lange vor der geplanten Abfahrt auf das Kopfsteinpflaster vor den Fenstern des Hotels. Dick in Schlechtwetter-Panier gehüllt, rollten 28 weniger 3 Helden aus der alten Marktstadt. Weniger 3, weil einer eiligst in Richtung naher Heimat und ins Trockene entschwand und zwei den kühlen und nassen Morgen lieber im inneren des wohlig warmen Transporters "durchlitten". Allen anderen winkte der versprochene Iron Curton Trail, welcher mit einem Trail im gängigen Sprachgebrauch der denglischen Mountainbike-Kultur herzlich wenig zu tun hat. Wechselhaftes Wetter, hohes Tempo, teils wirklich kalte Temperaturen und ein Defekt nach dem anderen - der zweite Tag erfüllte endlich, was stillschweigend bei Erhalt der Einladung allen Chaoten versprochen worden war...

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Überraschend sauber, aber triefend nass von der aufgewirbelten Gischt der flotten Asphaltetappen, erreichte der Trupp drei Stunden früher als gedacht den Ausgangspunkt Schönberg. Eifrigst schob Wirt Manfred in der Schonenburg Martinigansl in seinen Ofen, um der in Ermangelung pässlicher Schönwetter-Labepausen-Fenster ausgehungerten Meute die Mühen des Tages vergessen zu machen. Selbst die gestrengen Velominati wären an diesem Tag stolzerfüllt mit am Tisch gesessen. Wie heißt es so schön in Regel #9: If you are out riding in bad weather, it means you are a badass. Period.

 If you are out riding in bad weather, it means you are a badass. Period. 

Regel #9